Was ist Waldorfpädagogik?

Mit dem Ursprungsgedanken Rudolf Steiners, Kindern von Arbeitern und Angestellten die gleiche Bildung zukommen zu lassen wie den Kindern begüterter Eltern wurde seinerzeit zum ersten Mal das Prinzip sozialer Gerechtigkeit im Bildungswesen verwirklicht. Als erste Gesamtschule haben die Waldorfschulen das Prinzip der Auslese durch eine Pädagogik der Förderung ersetzt.

In einem einheitlichen Bildungsgang, der im Kindergarten einsetzt und mit dem 12. oder 13. Schuljahr abschließt, werden Schülerinnen und Schüler unterschiedlichster Begabungsrichtungen nach dem Lehrplan der Waldorfschule unterrichtet.

Alle Schüler und Schülerinnen durchlaufen ohne Sitzenbleiben 12 bzw. 13 Schuljahre. Das Erüben sozialer Kompetenzen in einer möglichst stabilen Klassengemeinschaft wird dabei als ebenso wesentlich erachtet wie die Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein für die Mitmenschen und die Entfaltung einer eigenen Persönlichkeit.

Bereits vom 1. Schuljahr an tritt neben die mehr sachbezogenen Unterrichtsgebiete ein vielseitiges künstlerisches und praktisches Lernen. Dadurch werden die für den Einzelnen wie für die Gesellschaft wichtigen schöpferischen Fähigkeiten und Erlebniskräfte gefördert sowie eine differenzierte Ausbildung des Willens. Ein entscheidendes Prinzip des Waldorflehrplans liegt in der Abstimmung der Unterrichtsinhalte und Unterrichtsformen auf die Prozesse kindlichen Lernens und die Stufen menschlicher Entfaltung in Kindheit und Jugend. Der Unterricht ist von Schulbeginn an auf das Ziel innerer menschlicher Freiheit hin orientiert.

In den ersten Schuljahren, in denen die eigene Urteilskraft der Schüler erst heranreift, ist "bildhafter" Unterricht ein wesentliches Unterrichtsprinzip. Die Tatsachen werden so behandelt, dass die Schüler zusammen mit dem Anschaulichen auch das Gesetzmäßige und Wesenhafte der Dinge im Sinne echter Bilder verstehen und erleben lernen.

Dem Streben nach eigener Lebensgestaltung und Urteilsbildung vom 14. Lebensjahr an entspricht der wissenschaftliche Charakter vieler Unterrichtsfächer vom 9. bis 12. Schuljahr. Die Waldorfschulen sehen hier die pädagogische Aufgabe nicht darin, eine voruniversitäre Ausbildung zu betreiben, sondern den Unterricht inhaltlich so zu vertiefen, dass er sich mit den Lebensproblemen des jungen Menschen verbinden kann und Antworten auf seine Lebensfragen gibt.

Mit unserem Wirken möchten wir mit Hilfe der Erkenntnisse der Waldorfpädagogik die uns anvertrauten Kindern auf ihrem Weg zu selbstbewussten, reflektierten Erwachsenen begleiten und ihnen eine gesunde Betrachtungsweise der Dinge, die sie umgeben, mitgeben.